Essen - die tägliche Qual

Der Expertentipp zum Thema "Essstörungen bei Heranwachsenden"

Essstörungen bei Heranwachsenden

Einige messen täglich ihren Hüftumfang – andere essen plötzlich unkontrolliert. Jugendliche reagieren oft mit gestörtem Essverhalten, wenn sie sich vom Erwachsenwerden überfordert fühlen. Magersucht (Anorexia nervosa), Essanfälle mit Erbrechen (Bulimia nervosa) oder Essanfälle mit Übergewicht (Binge-Eating-Störung) können mögliche Anzeichen dieser Reifungskrisen sein, die auch von Depressionen und Ängsten begleitet werden. Eltern Betroffener sollten möglichst frühzeitig professionelle Hilfe suchen, rät Professor Dr. Claudia Mehler-Wex. Für eine erste Abklärung der Symptome empfiehlt die Chefärztin der Hemera Klinik – Privatklinik für seelische Gesundheit in Bad Kissingen, den Hausarzt zurate zu ziehen.

Wertschätzung gefragt

"Alarmsignale für Magersucht sind vorhanden, wenn trotz Untergewicht immer weiter aktiv eine Gewichtsreduktion betrieben wird, mit Diät, extremem Sport und sogar Erbrechen", erläutert Professor Mehler-Wex. Häufig werde das Körperbild von den Jugendlichen ganz unrealistisch weiterhin als zu dick wahrgenommen. Die Gedanken kreisen nur um Themen wie Essen, Kalorien und Gewicht. Unabhängig davon, ob es sich um Magersucht oder eine andere Essstörung handelt, rät die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Betroffene möglichst schnell einer ambulanten Psychotherapie zuzuführen, um langfristige gesundheitliche Schäden, wie Unterernährung oder Fettleibigkeit, zu vermeiden. Eltern sollten darauf achten, ihr Kind nicht zu bedrängen und einen von Wertschätzung geprägten Umgang zu pflegen. Wenn die Symptomatik sehr verfestigt ist, rät Professor Mehler-Wex, eine stationäre Behandlung in Betracht zu ziehen: "Hier kann die Ernährung zielgerichtet begleitet werden und eine ganzheitliche Behandlung erfolgen, um die Ursachen zu klären und zu therapieren."

Verstärker einsetzen

Wie wissenschaftliche Studien zeigen, lässt sich die Behandlung des Essverhaltens am wirkungsvollsten über eine Verhaltenstherapie erreichen. "Hierbei werden Verstärkerpläne eingesetzt, um Anreize für die Gewichtszunahme oder -abnahme zu geben", erklärt Professor Mehler-Wex. Begleitend würden in der individuellen Psychotherapie ursächliche Faktoren behandelt. "In der Hemera Klinik arbeiten wir ganzheitlich – wir berücksichtigen familiäre Themen, Schul- und Berufsplanung sowie soziale Kompetenzen und unterstützen die Persönlichkeitsentwicklung." Zur Körperformung werde Sport ganz bewusst eingesetzt

Weiterführende Informationen und Details zu Behandlungskonzepten finden Betroffene und Angehörige zum Beispiel unter hemera.de, auf der Homepage der Privatklinik für seelische Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Weitere Links zu klinischen Einrichtungen gibt es unter dgkjp.de, auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Unter experten-im-chat.de/reifungskrisen gibt ein Chatprotokoll weitere Tipps zum Thema.


Quelle: djd/pt / Foto: djd/Hemera Klinik GmbH/© doble.d - Fotolia.com