Esoterik

Hunzukuc

Die Hunzukuc (oftmals falsch als Hunza bezeichnet) sind die im Karakorum-Gebiet ansässigen Bewohner des Hunzatals (Pakistan), bestehend aus – je nach Quelle – geschätzten 15.000 bis 80.000 Menschen.

Húnzukuc, Hunzukuts oder Hunzakuts (je nach Tranliteration) ist der Plural von Húnzo, was in Burushaski "Bewohner von Hunza" bedeutet. Die Sprecher des Burushaski - der Sprache der Mehrheit im Hunza-Tal - heißen sg. Burushin, pl. Burusho.

Sprache

Gesprochen wird im Hunzatal hauptsächlich Burushaski, eine isolierte Sprache, die nur in NW-Kaschmir und den pakistanischen Northern Areas vorkommt. Daneben wird auch Wakhi, Shina, Khowar und Dumaki gesprochen, wobei Dumaki eine aussterbende Sprache ist, die vor allem von der Jugend nicht mehr verwendet wird.

Religion

Die meisten Hunzukuc zählen zu den Ismailiten, einem liberalen Zweig des schiitischen Islam.

Tourismus

Der 1978 fertig gestellte ausgebaute Karakorum Highway nach China führt durch das Hunzatal und erleichtert heute die Anreise zu der einst schwer zugänglichen Region. Touristisch ist das Gebiet wenig erschlossen, trotzdem gibt es einen zwar schwachen, aber beständigen Strom von Touristen nach Hunza. Dieser besteht zumeist aus Alpinisten und Mountainbikefahrern, bei denen sich das Gebiet im und um das Hunzatal steigender Beliebtheit erfreut. Unter den Bergen ist der vor allem der 7.788 m hohe Rakaposhi erwähnenswert. Seltener, aber immer wieder anzutreffen sind Menschen auf der Suche nach den legendären Hunza des modernen Hunza-Mythos. Der Palast der Mirs kann besichtigt werden.

Der Hunza-Mythos

Über die Hunzukuc gibt es viele moderne Mythen, die sich vor allem auf die Ernährung und Lebenserwartung konzentrieren, und seit den 1960ern besonders gerne in Verbindung mit diversen Hunza-Produkten, Esoterik, und Ernährungslehren verbreitet werden. Den Schilderungen zufolge sind die Hunzukuc ein besonders friedfertiges Naturvolk, das seiner fleischarmen oder fleischlosen Ernährung, besonders mit Mineralien und Edelmetallen angereichtem Wasser, einem legendären und bislang nicht nachweisbaren Vollkornbrot (oft Hunza-Pie genannt), und besonderen "Himalayasalzen" eine außerordentliche Langlebigkeit und Gesundheit verdankt. Diversen Quellen sprechen den Hunzukuc eine Lebenserwartung von bis zu 130, manchmal sogar bis 145 Jahren zu. Obendrein kennen sie wenig oder keine Krankheiten und sind bis ins hohe Alter überaus agil, was dazu führt, dass Männer jenseits der 100 Jahre noch fleißig Kinder zeugen, die Felder bestellen und man in der Regel völlig ohne vorheriges Leiden stirbt.

Die Realität

Die geographische Lage und die Art des Geländes im Hunzatal macht Weidewirtschaft mit Rindern weitgehend unmöglich, weshalb sich die Hunzukuc auf Geflügel und Ziegen beschränken. Fleisch, aber vor allem Milch und Milchprodukte gehören zur traditionellen Ernährung. Butter, insbesondere spezielle aus Ziegenmilch bereitete Butter, genannt Ghee, wird zu beinahe allen Speisen gereicht, in Tee aufgelöst, heiß getrunken, oder als Butterkugeln verzehrt. Das harte Leben in der kargen und wenig fortschrittlichen Region fordert seinen Tribut, was zu einem mit anderen und benachbarten Bergvölkern vergleichbaren Gesundheitszustand und einer ebenso durchschnittlichen Lebenserwartung zwischen 40 und 50 Jahren führt. Das Hunzatal ist wie die gesamte Region ein Jodmangelgebiet, weshalb Hunzukuc mit Kropf keine Seltenheit sind. Ebenfalls vermehrt treten Augenschädigungen wie grauer Star, sowie Hautschädigungen wie vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs auf, die auf die UV - Belastung in großer Höhe zurückzuführen sind. Fehlende Geburtsregister bei der älteren Bevölkerung sowie der hohe soziale Status der alten Menschen haben unter anderem dazu geführt, dass der anekdotenhafte Mythos der Langlebigkeit der Hunzukuc entstehen konnte.

Vermarktung des Hunza-Mythos

Die Vermarktung angeblicher Hunzaprodukte kennt kaum Grenzen. Von abgefülltem Gletscherwasser, das nicht immer aus dem Himalaya stammt, über Hunza-Aprikosen bis hin zu Hunza-Himalayasalz werden viele Produkte in Deutschland und weltweit vermarktet. Im Hunzatal finden sich allerdings keine Salzvorkommen. Bei manchen der als "Hunzasalz" beworbenen, recht teuren Salze konnte von unabhängiger Seite nachgewiesen werden, dass sie aus ganz anderen Gebieten von Pakistan stammten. Das bislang neueste auf die Hunzukuc zurückgeführte Hunza-Produkt ist die umstrittene B17-Therapie, bei der Aprikosenkerne, genauer das darin enthaltene Amygdalin, trotz unbewiesener Wirksamkeit beim Menschen zur Krebsbekämpfung empfohlen wird.

In früheren Zeiten waren die Hunzukuc als mutige Krieger und Räuber bekannt und gefürchtet. Da das Hunzatal der schnellste Weg nach Swat und Gandhara ist, wurde und wird es für den Warentransport genutzt. Das unwegsame Gelände und die teils kaum mehr als einen halben Meter breiten Gebirgswege machten den Transport mit Lasttieren unmöglich, weshalb die Waren mit Lastenträgerkarawanen transportiert wurden. Diese kamen nur langsam voran, konnten sich nur schwer gegen Überfälle verteidigen, und mussten den Hunzukuc Abgaben für die Durchquerung des Tales bezahlen. Verweigerten die Reisenden diese Maut, wurde ihnen von den Hunzukuc die Durchreise verwehrt, oder sie wurden überfallen.

Die Ende des 20. Jahrhunderts renovierte Balti-Burg des Mir (Fürst), der 62 Zimmer umfasst, und an eine Festung anschließt, zeugt noch heute von den Reichtümern, welche durch die Handelsroute den Hunzukuc zuteil wurden.

Die leicht zu verteidigende und isolierte Lage des Hunzatals ermöglichte es den Hunzukuc, über 950 Jahre lang zurückgezogen und weitgehend unabhängig zu leben. 1889 versuchten die Briten Hunza zu erobern, wurden aber zurückgeschlagen. 1892 konnten die Briten die Oberhand gewinnen und das Hunzatal, sowie das benachbarte Nagartal erobern. Der Mir der Hunzukuc flüchtete nach China, das endgültige Ende der Mir-Herrschaft kam aber erst 1974. Der letzte Mir war Muhammad Jamal Khan.

Die Hunzukuc leben vorwiegend von der Landwirtschaft. Der Anbau erfolgt meist auf Terrassenfeldern, die mit Wasser der Gletscher der Umgebung bewässert werden.


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hunzukuc aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.